Wenn der Wecker drei Mal klingelt

Es ist früh am Morgen, als der erste Wecker klingelt. Es ist noch immer früh am Morgen, als der zweite klingelt. Und auch beim dritten kann man getrost vom frühen Vogel sprechen.
Alltag in einem Dreibett-Zimmer in Alpbach, das derzeit von drei jungen Frauen bewohnt wird. Und so startet auch der siebente Tag beim Europäischen Forum Alpbach zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen Tagesplänen, aber gleichermaßen motiviert.

Für die einen beginnt der Tag mit dem obligatorischen Morgensport, andere zaubern lieber gleich fleißig ihr Frühstück, bevor wieder eine Reihe facettenreicher Seminare am Programm steht. Da zeitgleich zu diesen jedoch bereits die „Gesundheitsgespräche“ stattfinden, führt mich mein Weg in den dafür angegebenen Elisabeth-Herz-Kremenak-Saal.

Die erste Diskussion – geführt von Vertretern von Gesundheitsstiftungen, pharmazeutischen Unternehmen und Patientenanwältin Sigrid Pilz – widmet sich der Frage, wie kostspielige Innovationen bei Medikamenten das Gesundheitssystem belasten und wer die Kosten dafür tragen sollte.

Kurz danach macht Univ.-Prof. Dr. Harald Kittler ein ganz anderes Innovationsthema zum Schwerpunkt seiner Keynote Lecture: Künstliche Intelligenz in der Medizin. In seinem persönlichen Fachbereich, der Melanomforschung, werde diese Technologie bereits stark genutzt und würde zu glorreichen Fortschritten beitragen. Dem Vortrag folgt eine Diskussion, ob und wie Künstliche Intelligenz die Behandlung von Patientinnen und Patienten künftig beeinflussen werde. Neben dem Vortragenden konnten hierfür Jaroslav Blaha, CEO des Hamburger KI-Unternehmens Cellmatiq, Alena Buyx, Leiterin am Institut für Medizingeschichte und -ethik der TU München sowie Rachel Dunscombe, CEO und Strategic Advisor der NHS Digital Academy in Orem (USA), gewonnen werden. Nach einem regen Austausch wird als gemeinsamer Standpunkt festgehalten, dass Künstliche Intelligenz den Ärztinnen und Ärzten als Hilfsmittel zur Seite gestellt, die ärztliche Diagnose aber nicht ersetzen wird.

Passend zu diesem Thema lernen wir in einer der sieben parallel stattfindenden Breakout-Sessions „Pepper“ kennen – einen Roboter des Unternehmens Philips. Er soll Menschen, die an Demenz leiden, mit spielerischen und multimodalen Ansätzen zum Training motivieren.

Nach einer kurzen Pause und einer kleinen Stärkung geht es weiter in die Kirche von Alpbach. Bei einer interreligiösen Meditation kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Ruhe und sammeln neue Kraft für die kommenden Programmpunkte. Direkt danach folgt ein Kamingespräch mit Extremsportler Michael Strasser, der sich als Langstreckenradfahrer und Weltrekordhalter für seine 23.000km lange Fahrt von Alaska nach Patagonien längst über die Branche hinaus einen Namen gemacht hat.

Um 20:30 Uhr kommt der kuratierte Teil des Tages mit der Special Lecture von Univ.-Prof. Dr. Harald Ott zu seinem Abschluss: „Organe auf Abruf“ ist der provokative und wissenschaftliche vielversprechende Titel seines Vortrags. Darin referiert er über die Möglichkeit, chronische Krankheiten durch den Einsatz von Stammzellen und Organtechnik zu heilen. Das „Organ aus dem Labor“ könne in Zukunft Millionen von Menschen, denen terminales Organversagen droht, das Leben retten. Denn was einst als Utopie galt, scheint durch die aktuelle Forschung in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Die Diskussionen zu diesem inspirierenden Vortrag werden auch auf der anschließenden Party noch rege weitergeführt. Früher oder später enden aber die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Tanzfläche, bis sie sich die nötige Portion Schlaf holen, um sich am nächsten Tag wieder auf die spannenden Innovationen aus Forschung und Wissenschaft fokussieren zu können.

von Judith Wenzina